Große Klinken wie das Universitätsklinikum Münster (UKM) mit 1.450 Betten sind immer auch ein Hochrisikobereich, in dem auf höchstem Niveau in interdisziplinären und berufsgruppenübergreifenden Teams in komplexen Behandlungsabläufen die Versorgung der Patienten sichergestellt werden muss. Durchschnittlich 60.000 Patienten werden in Münster jährlich stationär behandelt, dazu kommen noch einmal rund 500.000 Patienten, die ambulant in dem Zentralklinikum mit seinen 8.800 Mitarbeitern versorgt werden. Das stellt für das Klinikum eine große Herausforderung dar. Alle relevanten bestandsgefährdenden Risiken und Gefährdungen der Patientensicherheit sollten im Blick behalten werden, um schnell und strukturiert auf neue Risikosituationen reagieren zu können. Dazu gehört auch die regelmäßige Überwachung der Wirksamkeit der ergriffenen Maßnahmen. Bereits in den vergangenen zehn Jahren hat das UKM ein integriertes Risikomanagement aufgebaut. Mit dieser maßgeschneiderten Software können alle Risiken klinikumsübergreifend erfasst, dokumentiert und überwacht werden. Gemeinsam mit der Firma Inworks hat das UKM die Risikomanagementsoftware an die Erfordernisse einer Universitätsklinik angepasst und weiterentwickelt.

Logo Inworks © Inworks GmbH

Das System ist auf folgende Anforderungen ausgelegt:

Ausrichtung nach der Systematik der RM-Norm ISO 31000/ONR 49001
• Integration aller identifizierten Risiken in einer Software
• Differenzierte Kategorisierung und Bewertung der Risiken
• Softwaregestützte Root Cause Analysis
• Integration des CIRS* und Beschwerdemanagement
*(Critical Incident Reporting System: Berichtssystem über kritische
Vorkommnisse)

Das Risikomanagementsystem des Universitätsklinikums Münster ist nach den Kriterien der DIN EN ISO Norm 31000/
ONR 49001 ausgerichtet. In dieser Norm sind die Strukturen und die Systematik eines Risikomanagementsystems festgelegt. Das ist ein umfängliches Paket: die Festlegung der Risikopolitik, die unterschiedlichen Rollen und Verantwortlichkeiten sowie die Kommunikation und Überwachung der Risiken. Der gesamte Prozess wird in der Software abgebildet. Das Hauptaugenmerk gilt dabei der Integration und Überwachung der identifizierten Risiken in der Software. Den Risikotypen sind Kategorien und Subkategorien zugeordnet, welche gleichlautend in der CIRS- und Beschwerdemanagementsoftware abgebildet sind. Das verhilft dazu, dass Risiken aus CIRS Meldungen und Beschwerden in der Risikomanagementsoftware zugeordnet und ausgewertet werden können.

Risikomanagement © fotolia, adimas
Risikomanagement © fotolia, adimas

Die Bewertung der Risiken, was ihre Auswirkung und Eintrittswahrscheinlichkeit betrifft, ist je nach Risikotyp unterschiedlich ausgerichtet. Auf Basis der DIN EN ISO Norm 31000 wurden bei der Beschreibung der Auswirkung eines Risikos vier verschiedene Perspektiven eingerichtet, die auch untereinander kombinierbar sind (Perspektive der Patienten und Mitarbeiter, Perspektive der Reputation, Perspektive der Leistungsfähigkeit, Perspektive der Finanzen). Es wurden dazu fünf Bewertungsstufen eingerichtet – von „unbedeutend“ bis „katastrophal“. Es ist also eine höchste differenzierte Bewertung und Integration der unterschiedlichen Risikotypen gegeben.

Die Systematik der strukturierten Ursachenanalyse wurde technisch in der CIRS-Auswertungssoftware umgesetzt. Sie basiert auf der Root Cause Analysis nach dem London Protocol. Es handelt sich um eine strukturierte Ursachenanalyse von kritischen Ereignissen und Schadensfällen, bei der die strukturierte Aufdeckung von latenten Fehlerquellen und die Identifikation der fehlerbeitragenden Faktoren im Fokus steht. In der Praxis bedeutet dies eine deutliche Verbesserung und Unterstützung bei der strukturierten Analyse eines kritisches Ereignisses in Bezug auf die Patientensicherheit, insbesondere wenn ein dringender Handlungsbedarf oder ein Hinweis auf eine systemische Ursache besteht. Dann kann die strukturierte Ursachenanalyse aufgerufen werden und das kritische Ereignis wird softwaregestützt in mehreren Schritten analysiert und bearbeitet.

Einfahrt Zentralklinikum (© Universitätsklinikum Münster)
Einfahrt Zentralklinikum (© Universitätsklinikum Münster)