Wie soll man, zumal unter den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der DRGs, zu einer optimalen Multiressourcen- und Behandlungslogistik kommen, wenn das Wissen über verfügbare Ressourcen im ganzen Hause verteilt ist und entsprechend fraktioniert geplant wird, um die Komplexität überhaupt handhaben zu können und zudem keine geeigneten ICT Systeme zur Verfügung stehen? Wann wollen wir beginnen, „industrielle“ klinische Abläufe automatisiert zu steuern, statt patientenindividuell? Wären das nicht Aufgaben, die eine Krankenhaus IT lösen müsste? Der Constultant Guido Burkhardt (qhit healthcare consulting, Basel) setzt sich in seinem Essay im DKIF-Jahrbuch 2016 differenziert mit der Beantwortung dieser Fragen auseinander. Anlässlich des 7. eHealth-Forums-Freiburg hatte der DKIF Gelegenheit mit dem Top-Consultant Guido Burkhardt zu sprechen:

Würde man mit dem heutigen Wissen und der heutigen Technologie die Unterstützung klinischer Arbeitsabläufe mit Informations- und Kommunikationstechnologie vollständig neu denken und aufbauen, würde die heute eingesetzte Soft- und Hardware kaum dabei herauskommen. Da ein solches Resetting aber nicht ansteht, müssen wir die heute vorhandenen Lösungen erheblich besser miteinander in Beziehung bringen, als bisher. Bestehende Produkte miteinander zu verbinden, das erreichen wir als Consultants in unseren Projekten zur Prozessoptimierung und Unternehmensentwicklung in Kliniken. Es ist zu wünschen, dass klinische Systeme in Zukunft echte Prozessunterstützer sind.

In diesem Zusammenhang ist „Behandlungslogistik“ das Schlüsselwort und Zukunftsthema, wenn wir mit ICT Mitteln positiven Einfluss auf klinisches Geschehen nehmen wollen. Logistik in diesem Sinne bedeutet unter anderem, dass man die gesamte Ereigniskette betrachtet und digital unterstützt. Um rechtzeitig eine sinnvolle Patienten-/Personalzuordnung für die unterschiedlichen Pflege-, Diagnostik- und Behandlungsbedürfnisse machen zu können, bedarf es einer komplexen und hausweiten Multiressourcenplanung, die medizinische Standards und die Dynamik des klinischen Alltags berücksichtigt.

Mein Tipp: nehmen Sie die Steuerung dringend notwendiger, ja Not-wendiger Innovationen selber in die Hand. Warten Sie nicht auf die Ideen Ihrer Bestandslieferanten sondern verhelfen Sie diesen gemeinsam mit Ihren klinischen Sachverständigen dazu, Ihre klinischen Prozesse auf den nächsten oder übernächsten Level zu heben. Wenn Sie es jetzt richtig angehen und als Chef die Mehrheit der Führungskräfte des Hauses für ein Veränderungsmanagement in der internen Informations- und Kommunikationstechnologie, Logistik, Haus- und Medizintechnik hinter sich gebracht haben, ist der zukünftige digital unterstützte Erfolg Ihres Hauses kaum zu verhindern. So soll es ja auch sein.

Ganz aktuell ist der Autor auf der Suche nach einem Krankenhaus, das mit ihm eine Studie über die Vermeidung von Terminkollisionen und die zu erwartenden positiven Auswirkungen auf alle Berufsgruppen –mit speziellem Fokus auf die Pflege- durchführt. Das Ergebnis wird eine echte Innovation beschreiben! Es muss zuvor nur noch erklärt werden, dass es dieses Thema überhaupt gibt. Der zu Grunde liegende Missstand ist nämlich allseits akzeptiert und damit komplett stabil. Das Schönste: der Autor erwartet sowohl einen erheblichen positiven wirtschaftlichen Effekt, als auch beste Unterstützung der klinisch Tätigen. Hier die Details.

Guido Burkhardt (© qhit.ch)
Guido Burkhardt (© qhit.ch)

Über den Autor
Guido Burkhardt ist Inhaber und Head Consultant von qhit healthcare consulting in Basel. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Optimierung von Prozessen im Gesundheitswesen und der besten Unterstützung der Arbeitsabläufe mit IT, jüngst insbesondere mit dem Spezialgebiet Behandlungslogistik. Schwerpunktmäßig ist er in der Schweiz und in Deutschland tätig und berät auch weitere internationale Kunden. Er verfügt als Registered Nurse Advanced Federal Diploma of Higher Education über schweizerische Diplomausbildungen auf der Grundlage eines deutschen Staatsexamens in Krankenpflege. Bereits Ende der 1980er Jahre war Burkhardt in frühe IT- und Organisationsprojekte involviert, seit den 1990ern als Nutzervertreter am Kantonsspital Aarau aus seinem Background als Dipl. Pflegefachmann HF und Dipl. Experte in Notfallpflege NDS HF. Insgesamt war er 24 Jahre in direktem Patientenkontakt tätig, die meiste Zeit davon in critical care Bereichen der Notfall- und Intensivmedizin. Ab dem Jahr 2000 wechselte er in das Inhouse Consulting und Multiprojektmanagement im Stab der Spitalleitung am Kantonsspital Baden und war hier unter anderem als Leitender Projektmanager (ZfU) für die Einführung und den Ausbau der klinischen Informationssysteme verantwortlich. Er bezeichnet sich selber und ist Vorreiter des Digitalen.